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Historie

Die Geschichte des Sternbräus als Buch

Die komplette Historie ist in deutscher und englischer Ausgabe für 25 Euro im Sternbräu erhältlich. Hier können Sie die Haus-Chronik auch online bestellen (zzgl. Verpackung und Porto).



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Die Chronik als Buch

Die Entstehung der Getreidegasse

Die älteste Kaufmannssiedlung Salzburgs befand sich am Waagplatz. Von dort wuchsen die Häuserzeilen der mittelalterlichen Bürgerstadt den Uferstreifen der Salzach entlang. 1104 sind die ersten Liegenschaften an der Trabegasse urkundlich erwähnt. Als Salzburg 1287 ein erstes Stadtrecht erhielt, dürfte die Stadtmauer bereits vollendet gewesen sein. Das Areal bis zum Flussufer nutzten die Bewohner als Gärten und Ackerflächen. Auch das heutige Sternbräuareal war zu diesem Zeitpunkt noch eine bewirtschaftete Grünfläche.

© Privatarchiv Ammerer-Waitzbauer Ges.n.b.R.

Erste Brauereien

Erstmals wird in Salzburg 1374 ein Bierbrauer erwähnt, bis 1500 entstanden fünf weitere Betriebe, denen bis zum beginnenden 17. Jahrhundert noch sieben folgten. 1542 wird als erster Pierprew und Besitzer des Braugasthofes Hanns Riexinger urkundlich erwähnt. Die Benennung Zum (goldenen) Stern bürgerte sich im 17. Jahrhundert ein. Der Name leitet sich von der nahegelegenen Sternbastei her, die während des 30-jährigen Krieges am Uferbereich der Salzach errichtet worden war.

© Stift St. Peter, Foto Hubert Auer, Graphik Herbert Moser

Die Professionalisierung des Gastgewerbes

Die Salzburger Polizeiordnung von 1524 bestätigte letztmalig die alten Schankrechte jedes Salzburger Bürgers, hier in der Stadt faille Trank, es seyen Wein, Mett oder Bier, öffentlich zu schenken. Erste einschränkende Bestimmungen finden sich bereits im so genannten „Cristan Reutterschen Stadtbuch“ um 1500. Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau erließ am 1. Juni 1595 aus ordnungspolitischen Gründen eine restriktive Gastronomieordnung: Er limitierte die Gaststätten auf 35 Wein-, drei Süßwein- und fünf Metschenken sowie auf 13 Braustätten.

Johann Mathias und Sophia Wilhelmseder

1743 kam Johann Mathias Wilhelmseder in den Besitz der Gebäude, dessen Eltern den „Goldenen Stern“ erworben und ihrem Sohn übertrugen hatten. Wilhelmseder war bereits verheiratet und hatte das Bürgerrecht inne. Beides sah jedoch der zünftisch streng geregelte Ausbildungsweg nicht vor, als er eine Lehrstelle suchte (um das Aufdingen als Lehrling ansuchte), um das Brauhandwerk zu erlernen. Selbst der Magistrat wies darauf hin, dass wür kein Exempel wissen, das bey Unserem Handwerch ein Verheyrather BurgerUnsere Profession erlehrnet, Vnd zu dieser aufgedinget, vnd frey gesprochen worden seye. Er wurde dennoch zugelassen und schließlich… für einen Maister incorporirt.

© Archiv der Stadt Salzburg

Der Großgasthof 1756

Nach dem Ableben von Sophia Wilhelmseder wurde am 7. April 1756 ein Inventar des gesamten Besitzstandes aufgenommen. Daraus wird ersichtlich, dass das Gasthaus bereits damals zu den Salzburger Großgaststätten zählte. Die Auflistung wies 80 Tische sowie 56 Betten auf, die in der Mehrzahl in den Gaststuben standen, außerdem war eine von ihrem Mann eingerichtete barocke Kapelle mit einer Orgel vermerkt. Der Gesamtwert der Fahrnisse betrug 1607 Gulden, der jedoch weit überboten wurde durch das eingelagerte Getreide (3448 Gulden, davon für 2277 Gulden Gerste zum Brauen) und den eingelagerten Wein (3384 Gulden).

Gasthausalltag

Nach der neuesten Mode in der Gastronomie gab es im Garten des Goldenen Stern ein Salettl. Neben Essen, Trinken, Feiern, Tanzen und Spielen ist eine Fülle an anderen Aktivitäten festzustellen. Das Gasthaus war Aufführungsort für Künstler aller Art und Umschlagplatz von Waren und Dienstleistungen.

Schwierige Zeiten: Hungerkrise und Konkurs

In den Jahren 1770 bis 1772 kam es in ganz Mitteleuropa zu gravierenden Missernten und einem rapiden Anstieg der Lebensmittelpreise. Getreidemangel zwang die meisten Brauereien zur Betriebseinstellung. Während die ländlichen Gemeinden für die Hofbrauerei Kaltenhausen Gerste zwangsweise abliefern mussten, war es den bürgerlichen Brauern verboten, diese im Land zu erwerben. Die harten Bedingungen und die verminderte Kaufkraft der Bevölkerung führten zu zahlreichen Konkursen, so auch von Johann Mathias Wilhelmseder, dessen Schuldenstand bereits 1771 50.000 Gulden erreicht hatte.

Johann Ernst von Antretter

Bei der Versteigerung der Sternbräuliegenschaft 1772 war der wohlhabende Landschaftskanzler und Kriegsrat Johann Ernst von Antretter der Meistbietende. Der neue Besitzer des Bräuhauses beim Goldenen Stern war der Pflegesohn und Erbe von Bürgermeister Kaspar Wilhelmseder (1741–1755), eines Onkels des Konkursanten. Doch die Blütezeit des Goldenen Sterns war zunächst vorüber und Antretter verkaufte Brauerei und Gastronomie 1781 an Kordula Hierl.

Die Familie Mozart im Goldenen Stern

Ins Gasthaus zum Goldenen Stern ging auch die Familie Mozart, die nicht weit entfernt wohnte, wie Erwähnungen in der Korrespondenz verraten. Leopold Mozart überlegte sogar, den Wohnsitz dorthin zu verlegen.

Sage dem Wolfgang, die gros=augete Mundbecken dochter, die mit ihm beym Stern gedanzt, und ihm oft so freundliche Complimenten gemacht, dann endlich nach Loretto ins kloster gegangen, ist wieder in ihr vatterliches Haus zurückgekert.
(Brief Leopold Mozarts an seine Frau v. 23. Okt. 1777)

Du must mir also schreiben, ob wir beym Sailerwirt, beym Stern oder beym Saulentzl einlogieren sollen.
(Leopold Mozarts in einem Brief an seine Frau v. 20. Febr. 1770 betr. seine Überlegungen für eine neue Wohnung)

hernach beym stern bey fr: v: paradisin der visite …
(Tagebucheintrag von Maria Anna (Nannerl) Mozart, 2. Aug. 1783)

© Privatarchiv Ammerer-Waitzbauer Ges.n.b.R.

„Postamt“ Sternbräu

Die Salzburger Gasthöfe übten außer ihrer eigentlichen Aufgabe der Bewirtung von Gästen eine weitere wichtige Funktion aus: Sie waren „Büros“ für die zahlreichen Botengänger, die das Land durchzogen. Das Botenwesen war eine Art privater Brief- und Paketdienst mit fixen An- und Abreiseterminen. Die meisten Boten warteten im Sternbräu auf ihre Kundschaft: Von dort brachen sie mit den ihnen anvertrauten Briefen nach Kirchberg, Kitzbühel, Lofer, Mauerkirchen, Tittmoning und Mühldorf auf.

© Auszüge aus: Weilmeyr, Hand- und Adressbuch 1813 – Fotomontage

Sternbräu: Zweitgrößte Brauerei der Stadt

Bis in die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in der Stadt Salzburg 13 Brauereien. Obwohl in den beengten Verhältnissen der Altstadt nur eine geringe Brauleistung möglich war, gelang es dem Sternbräu dennoch, zur zweitgrößten Stadtbrauerei aufzusteigen. 1870 wurden 4.630 Hektoliter Bier gebraut. Die „Sternbräuer“ von damals hießen Mathias Schießling, Anton Hörl und Johann Schwaiger. Die Grabstätte von Mathias Schießling (Schüßling) befindet sich auf dem Sebastiansfriedhof.

© Archiv der Stadt Salzburg

Vom Einzelunternehmen zur Aktiengesellschaft

Im Jahr 1887 wurde das Sternbräu in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und hieß fortan „Actiengesellschaft Sternbräu in Salzburg“. Im Verwaltungsrat saßen u. a. Mitglieder der Brauerfamilie Wieninger, Vorstand des Verwaltungsrates war über viele Jahre Otto Spängler, Direktor der Salzburger Sparkasse. Der beliebte Biergarten erhielt bereits 1888 eine elektrische Beleuchtung.

Der beleuchtete Gastgarten wurde mit dieser Postkarte schon beworben. © Salzburger LandesarchivDie Sternbrauerei in der Riedenburg. © Salzburger Landesarchiv

Übersiedlung der Brauerei in die Riedenburg

Ab etwa 1890 hatte die Bierproduktion in der Sternbrauerei weiterhin ständig zugenommen und war nach der Jahrhundertwende bei rund 30.000 Hektoliter pro Jahr angelangt. Am 25. Juni 1906 fand daher der Spatenstich für einen Brauereineubau in der Riedenburg statt. Nach einjähriger Bauzeit wurde das neue Sudhaus am 8. Juli 1907 in Betrieb genommen. In der Getreidegasse verblieben die Mälzerei und die Gaststätte.

Prächtige Bierjahre

Nach der Übersiedlung der Bierproduktion in die Riedenburg wurde im Sterngarten der alte Eiskeller abgetragen. An dessen Stelle entstand eine lauschige Veranda, wo sich das Gasthauspublikum am guten Sternbier laben konnte. In dieser Zeit erlebte das Sternbräu den Auftritt zahlreicher Musikkapellen und Unterhaltungskünstler, im Juli 1910 beispielsweise vom „kleinsten Schuhplattler der Welt“. Damals erreichte der Bierkonsum in Salzburg mit über 200 Litern pro Kopf den höchsten jemals gemessenen Wert (2011: 108 Liter).

Neue Gasträume im alten Stil

Im Jahr 1926 erfolgte eine großzügige Umgestaltung der Sternbräu-Gastronomie. Durch den Ankauf des Hauses Griesgasse 23–25 gewann man zusätzlichen Platz für Küche und Gasträume. Damals entstanden der Bürgersaal und das Bräustüberl, und auf dem Dach des Hauses erstrahlte die erste Lichtreklame der Stadt, die es bis heute gibt.

© Privatarchiv Ammerer-Waitzbauer Ges.n.b.R.

Bilderzyklus gegen Kost und Logis

Der Maler Karl Reisenbichler schuf – angeblich nur gegen Kost und Logis – innerhalb weniger Wochen 13 Bilder mit Motiven aus Salzburgs Geschichte. Sie wurden an den Wänden des Bürgersaales platziert, wo sie auch nach dem Umbau wieder zu sehen sein werden. Ebenfalls 1929 wurden Gasthof und Brauerei der Sternbräu AG von der Österreichischen Brau AG übernommen.

© Privatarchiv Ammerer-Waitzbauer Ges.n.b.R.

Endlich ein großer Gastgarten

Ein neuerlicher Umbau brachte mehr Freiraum zwischen Getreidegasse und Griesgasse. Die alte, funktionslos gewordene Brauerei wurde mit Ausnahme der Mälzerei abgebrochen, auf ihrem Platz entstand der zweite große Sternbräu-Biergarten, der so genannte „Volkskeller“. Auch im Gastronomiebereich wurden – bei vollem Gaststättenbetrieb – zahlreiche bauliche Veränderungen vorgenommen, u. a. entstanden im Restaurantgarten die rundum führenden Laubengänge.

© Privatarchiv Ammerer-Waitzbauer Ges.n.b.R.

Der Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Das Sternbräu war ab 1945 – so wie viele andere Salzburger Gastlokale und Hotels – von den US-Behörden beschlagnahmt. Das Lokal diente als Großkantine für die Salzburger Zivilangestellten der Besatzungsmacht und wurde 1949 wieder freigegeben. Am 1. Oktober 1949 fand die feierliche Wiedereröffnung statt.

Ausschnitt aus den Salzburger Nachrichten vom 1. Oktober 1949

Bälle, Gschnase und andere Veranstaltungen

Aufgrund seiner Größe war das Sternbräu in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Schauplatz zahlreicher Bälle, Gschnase und anderer geselliger Unterhaltungen. Zur weitum bekanntesten und beliebtesten Faschingsveranstaltung entwickelte sich das „Typographia-Gschnas“, das von 1950 bis 1987 alljährlich im Sternbräu stattfand.

© Salzburg Museum

Für jede/n etwas – der Lions-Flohmarkt

Der Flohmarkt des Lions Clubs Hohensalzburg zählt zu den bekanntesten karitativen Events in Österreich. Seit 1963 wurde er im Sternbräu abgehalten, 2012 fand er zum 50. Mal statt. Nach dem zweijährigen Umbau wird der Flohmarkt auf den angestammten Platz zurückkehren.

Der Umbau von 1986

Der bislang letzte große Umbau vor der jetzigen Erneuerung fand 1986/87 statt. Damals entstanden u. a. der Pavillon im Volksbiergarten, der Arkadengang entlang der Wirtschaftsfassade, neue Geschäftslokale im alten Mälzereigebäude, die angedeutete Toreinfahrt und der Musikpavillon im Restaurantgarten. Auftraggeber des Umbaus war damals die Österreichische Brau AG.

© Andriska

Neues Jahrtausend, neue Eigentümer

Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends folgte wiederum ein rascher Eigentümerwechsel. 2005 erwarb die Wiener CA Immo AG das Sternbräu von der Brau Union Österreich AG. Diese verkaufte die Liegenschaft 2009 schließlich an die jetzige Eigentümerin, einem Tochterunternehmen der Salzburger IBT.AG.

Impressum: Diese Auszüge der Sternbräu-Chronik entstanden mit freundlicher Unterstützung von: Salzburger Stadtarchiv, Salzburger Landesarchiv und Salzburg Museum

Recherche und Text: Autorengemeinschaft Ammerer-Waitzbauer Ges.n.b.R.

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